„Wie sollen wir das nächstes Jahr noch toppen?“
Es ist ein Satz, den ich nach gelungenen Veranstaltungen immer wieder höre:
“Wie sollen wir das nächstes Jahr noch toppen?”
Die Gäste waren begeistert, das Feedback positiv, die Stimmung ausgezeichnet. Eigentlich könnte man sich zurücklehnen und den Erfolg genießen. Stattdessen richtet sich der Blick oft schon auf das kommende Jahr – verbunden mit der bangen Frage, ob sich ein solcher Abend überhaupt wiederholen lässt. „Wie sollen wir das nächstes Jahr noch toppen?“
Interessanterweise geht es dabei fast nie um die Inhalte des Abends. Es geht um die Erwartung, dass die nächste Veranstaltung noch größer, noch spektakulärer oder noch überraschender sein müsse als die vorherige.
Genau an diesem Punkt werde ich regelmäßig nachdenklich. Denn wenn man Veranstaltungen ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der Steigerung betrachtet, gerät man schnell in eine Sackgasse. Irgendwann ist jeder Effekt verbraucht, jeder Überraschungsmoment erlebt und jedes Highlight übertroffen. Die Frage ist nur, ob man damit tatsächlich erreicht, woran sich Menschen später erinnern.
Vor einiger Zeit stellte mir ein Kunde genau diese Frage. Die Veranstaltung war hervorragend gelaufen und die Sorge war groß, im Folgejahr nicht mehr an diesen Erfolg anknüpfen zu können. Während wir darüber sprachen, wurde jedoch schnell deutlich, dass wir eigentlich über etwas ganz anderes nachdenken mussten. Nicht darüber, wie sich der Abend übertreffen ließe, sondern darüber, warum er überhaupt funktioniert hatte.
Die Gäste sprachen am Ende nicht über einen einzelnen Programmpunkt. Sie sprachen über den Abend, der als Ganzes stimmig gewesen war. Die Gäste fühlten sich willkommen. Das Programm passte zur Zielgruppe. Die Inhalte ergänzten sich gegenseitig. Es gab Momente zum Staunen, zum Lachen und zum Austauschen. Kurz gesagt: Der Abend hatte einen Spannungsbogen. Und genau dieser Gedanke kommt in vielen Planungen zu kurz.
Häufig wird die Wirkung einer Veranstaltung an einzelnen Highlights festgemacht. Dabei entsteht Erinnerung selten durch einen isolierten Programmpunkt. Menschen erinnern sich an Erlebnisse. An Atmosphäre. An Begegnungen. Sie erinnern sich daran, wie sie sich an einem Abend gefühlt haben.
Vielleicht betrachte ich Veranstaltungen auch deshalb etwas anders. Wer dramaturgisch denkt, sucht nicht automatisch nach der größten Szene des Abends. Interessanter sind die Übergänge, die Spannungsbögen und die Frage, warum bestimmte Momente wirken und andere nicht. Im Theater würde niemand eine Inszenierung allein danach beurteilen, wie aufwendig das Bühnenbild war. Entscheidend ist, ob das Publikum erreicht wird. Genau das lässt sich auch auf Business-Events übertragen.
Vor einigen Jahren durfte ich eine Veranstaltung begleiten, bei der eine künstlerisch erzählte Geschichte das Publikum tief bewegte. Viele Gäste hatten Tränen in den Augen. Nicht wegen eines spektakulären Effekts. Nicht wegen besonderer Technik. Sondern weil die Geschichte selbst etwas in ihnen auslöste. Kunst und Inhalt griffen ineinander und machten das Anliegen der Veranstaltung auf eine Weise erlebbar, die Menschen berührte.
Als die nächste Veranstaltung geplant wurde, stellte sich deshalb eine ganz andere Frage.
Nicht: „Wie können wir das übertreffen?“
Sondern: „Wie können wir die Menschen erneut emotional erreichen?“
Die Antwort bestand nicht darin, das Vorjahreskonzept einfach größer aufzuziehen. Stattdessen entstand eine neue Idee, die denselben Zweck verfolgte, aber einen völlig anderen Weg wählte. Die Gäste wurden erneut berührt – nicht, weil man versucht hatte, den Vorjahreserfolg zu kopieren, sondern weil man sich auf die gewünschte Wirkung konzentriert hatte.
Genau darin liegt für mich der entscheidende Unterschied. Wer immer nur nach Steigerung sucht, blickt auf Programmpunkte. Wer nach Wirkung sucht, blickt auf Menschen. Welche Erwartungen bringen die Gäste mit? Was sollen sie erleben? Welche Botschaft soll bleiben? Worüber sollen sie auf dem Heimweg sprechen? Und woran sollen sie sich vielleicht noch Monate später erinnern?
Die Antworten auf diese Fragen führen oft zu ganz anderen Lösungen als die Suche nach dem nächsten, noch größeren Highlight. Manchmal ist es ein überraschendes Motto. Manchmal eine ungewöhnliche Geschichte. Manchmal ein Format, das Begegnungen ermöglicht. Und manchmal sind es gerade die kleinen, sorgfältig gesetzten Akzente, die dafür sorgen, dass Menschen sich gesehen und wertgeschätzt fühlen.
Vielleicht ist die Frage „Wie sollen wir das nächstes Jahr noch toppen?“ also gar nicht die richtige. Vielleicht sollten wir stattdessen fragen:„Wie können wir unsere Gäste wieder erreichen?“ Denn die besten Veranstaltungen sind nicht zwangsläufig die größten. Es sind diejenigen, die Menschen berühren.
Gute Veranstaltungen werden organisiert. Wirkungsvoll werden sie durch Dramaturgie.
Und wie ist das bei Ihnen?
Haben Sie sich nach einer erfolgreichen Veranstaltung schon einmal gefragt, wie sich dieser Erfolg im nächsten Jahr überhaupt wiederholen lässt?
Oder standen Sie vor der Herausforderung, etwas Neues zu schaffen, ohne einfach nur „noch einen draufzusetzen“?
Vielleicht liegt die Antwort nicht in einem größeren Budget oder einem spektakuläreren Programmpunkt, sondern in der Frage, welche Wirkung Ihre Veranstaltung erzielen soll und wie sich diese dramaturgisch gestalten lässt.
Wenn Sie bei einem kommenden Event spüren, dass Organisation und Ablauf stehen, Ihnen aber noch der rote Faden oder die inhaltliche Klammer fehlen, kann ein dramaturgischer Blick von außen oft neue Perspektiven eröffnen.
Gerne tausche ich mich mit Ihnen darüber aus.





